TANZFOKUS 2019/2020

Digitalisierung und Technologie sind mittlerweile in alle Bereiche unseres Lebens vorgedrungen – als allumfassende, tiefgreifende und nachhaltige Veränderungen unserer Wirklichkeit. Im Beruf wie im Privaten ist eine Welt ohne Maschinen, Bildschirme, Handys, Computer, Internet, kunstliche Intelligenz und Roboter längst nicht mehr denkbar. Dabei stellt sich die Frage, welchen Einfluss diese Entwicklungen auf unsere innere wie äußere Wahrnehmung unserer Welt haben? In welchem neuen Verhältnis stehen Realität und Fiktion? Mit welchen neuen digitalen Realitäten haben wir es zu tun? Mit welchen Hybridisierungen von Realem und Digitalem? Wie verhalten wir uns zu ihnen? Und welche Auswirkungen haben sie auf unser Menschenbild, unsere Emotionen und unser Verständnis von Körpern, Körperlichkeiten, Subjekten und Gemeinschaften?

In der internationalen Choreografie- und Tanzwelt werden diese Themen mehr und mehr kritisch in den Blick genommen. Vor allem aber dient das breite Spektrum technologischer und digitaler Entwicklungen als Inspirationsquelle fur neue Ästhetiken, als Spielfläche fur ungewöhnliche kunstlerische Experimente und als Ausgangspunkt fur die Infragestellungen gängiger Denkmodelle und die Suche nach neuen Lebensweisen.

So bringt der Tanz am Theater Freiburg unter dem Spielzeitschwerpunkt „Digitalisierung und Technologie“ zahlreiche Kunstler_innen – die ihre Arbeiten eben genau an dieser Schnittstelle von Realem und Digitalem verorten – als Gäste nach Freiburg: Zur Eröffnung zeigt Marcos Morau mit seinem herausragenden spanischen Ensemble La Veronal den dystopischen Buhnenplaneten PASIONARIA, die Portugiesen Jonas & Lander versammeln in LENTO E LARGO Roboter- und Menschenperformer_innen in einer fiktionalen Bilderapokalypse, Adrien M & Claire B erwecken in ACQUA ALTA digitale Animismen mittels Virtual und Augmented Reality zum Leben und mit GLITCH präsentiert das belgische Kunstlerduo Lefeuvre & Demestri ihre ganz eigenen Systemstörungen, um choreografisch in neue Welten aufzubrechen.

Der Einfluss von Hip-Hop auf den zeitgenössischen Tanz stellt den zweiten Fokus des diesjährigen Tanzprogramms dar. Der brasilianische Star Bruno Beltrão und seine Grupo de Rua verwandeln den Hip-Hop in eine einzigartige Buhnentanzform und präsentieren in Freiburg ihre NEW CREATION. Der junge französischkambodschanische Tänzer Marino Vanna hybridisiert die verschiedenen Genres Hip-Hop, zeitgenössischen Tanz und traditionellen kambodschanischen Tanz in NO – MAD(E) und lädt im Anschluss an seine Solo-Performance zu einem Hip-Hop Battle auf dem Theatervorplatz ein. In W.A.M. WE ARE MONCHICHI der Kompanie Wang Ramirez treffen eine Balletttänzerin und ein B-Boy aufeinander, um ein buntes wie einfuhlsames Stuck uber kulturelle Unterschiede und Begegnungen fur Kinder (7+) und ihre Familien zu tanzen. Zudem werden die mehrjährigen Zusammenarbeiten mit der niederländisch-flämischen Choreografin Ann Van den Broek und ihrem Ensemble WArd / waRD in MEMORY LOSS und mit der belgischen Choreografin Lisbeth Gruwez und ihrer Kompanie Voetvolk in PIANO WORKS DEBUSSY durch Koproduktionen weitergefuhrt.

In Kooperation mit dem Augustinermuseum wird die One-on-One-Performance AS FAR AS MY FINGERTIPS TAKE ME der britisch-libanesischen Kunstlerin Tania EL Khoury gezeigt. In Zusammenarbeit mit vielen internationalen wie nationalen Tanzhäusern und renommierten Festivals unterstutzt der Tanz am Theater Freiburg als Koproduktionspartner die Entwicklung von dreizehn neuen zeitgenössischen Tanzkreationen und fördert junge wie etablierte Choreograf_innen in ihren Recherche- und Probenprozessen durch zahlreiche Residenzen, unter anderem im Rahmen des Tanznetzwerks GRAND LUXE, dem das Theater Freiburg seit Anfang 2018 angehört.

Zudem feiern insgesamt sieben Tanzproduktionen ihre Deutschland-Premiere am Theater Freiburg. Im Austausch mit dem Publikum, professionellen Tanzschaffenden der Stadt, wie auch bewegungsbegeisterten Laien, sind die gastierenden Kunstler_innen mit ihren Ideen und ihrer tänzerischen Praxis in den Angeboten zur TANZVERMITTLUNG präsent: EMBODIED INTRODUCTIONS und ARTIST TALKS rund um die Tanzgastspiele geben einen tieferen Einblick in die choreografischen Methoden und Denkansätze der Kunstler_innen. In Workshops wie den KÖRPER LABS, den BABY MOVES und dem offenen Format TIME TO SHARE MOVEMENTS sind alle Interessierten herzlich zum Mitmachen eingeladen. Die VORTRÄGE und das TANZKINO, in dem unter anderem die neue intermediale Kunstform SCREENDANCE wie auch historische Filme gezeigt werden, kontextualisieren das Tanzprogramm und laden zu Gesprächen und Diskussionen rund um aktuelle Entwicklungen in der zeitgenössischen, internationalen Tanzwelt ein.