In der Spielzeit 22/23 bietet die Tanzsparte des Theater Freiburg wieder auf ein spannendes und abwechslungsreiches Programm mit herausragenden internationalen Tanzkompanien. 

Insgesamt zehn Produktionen von hochkarätigen Choreograf_innen aus Europa, dem Nahen Osten, Afrika und Südamerika werden zu sehen sein, von denen vier als Deutschland-Premiere zum ersten Mal überhaupt in Deutschland zu erleben sind. Eine Vielzahl an renommierten Persönlichkeiten des zeitgenössischen Tanzes wird im Rahmen des Gastspielprogramms in Freiburg zu Gast sein, wobei einige der eingeladenen Choreograf_innen wie Emanuel Gat und Marcos Morau dem Publikum durch vorherige Gastspiele bereits bekannt sind. Andere Künstler_innen, die eher für die neue Generation des Zeitgenössischen Tanzes stehen und für diesen aktuell prägend sind werden ihre Werke zum ersten Mal in am Theater Freiburg präsentieren.

Ganz grundlegend hat das Tanzprogramm der Spielzeit 2022/2023 kein bestimmtes Thema oder Slogan, das Ziel ist es vielmehr, eine möglichst große Bandbreite an verschiedenen choreografischen Handschriften und Tanzsprachen zu präsentieren. Die Auswahl der spannenden, innovativen und zum Nachdenken anregenden Tanzpositionen soll zeigen, was im Tanz alles möglich ist. Das Publikum wird dazu eingeladen, sich auf ganz unterschiedliche ästhetische Reisen einzulassen und einen Tanz zu erleben, der nicht nur sich selbst reflektiert, sondern der vielmehr als politischer Austragungsort fungiert. Geprägt von den Erfahrungen der letzten Jahre setzen sich viele der eingeladenen Produktionen mit der Zerbrechlichkeit und Sinnhaftigkeit unseres Lebens auseinander. Andere Werke hingegen setzen einen bewussten Kontrapunkt zu den einschneidenden und anhaltenden Folgen der schweren Pandemiezeit unter der die freie Tanzszene ganz besonders zu leiden hatte. Sie feiern die glücklichen und freudvollen Momente und holen das Publikum direkt hinein ins pulsierende Leben.

In genau diesem Sinne wird die Spielzeit am 1. Oktober 2022 mit einem regelrechten tänzerischen Feuerwerk aus Farben, Musik und der puren Lust an der Bewegung eröffnet. Nachdem er zuletzt 2018 mit seinem Stück SUNNY in Freiburg zu Gast war, präsentiert der israelische Choreograph Emanuel Gat mit LOVETRAIN2020 ein rauschendes Tanzfest. Eine Art getanztes zeitgenössisches Musical in dem 14 Tänzer_innen zu der Musik von Tears for Fears eine choreografische Ode an den Sound und das Lebensgefühl der 80er Jahre darbieten.

Ebenso im Oktober folgt ein ähnlich opulentes, aber thematisch vollkommen konträres Stück. Nach ihrem gefeierten Gastspiel PASIONARIA im September 2019 kehrt die spanische Company La Veronal des Choreografen Marcos Morau nach Freiburg zurück. Mit SONOMA präsentieren sie dieses Mal ein surreales und gleichzeitig höchst poetisches Werk. Das Stück nimmt das Publikum mit auf eine Reise in einen wundersamen Mikrokosmos eines längst vergangenen Spaniens mit seinen typischen traditionellen Trauerzügen und religiösen Prozessionen. Zu den Klängen Debussys und Wagners trifft hier irgendwo zwischen Fiktion und Traumwelt das Menschliche auf das Außergewöhnliche.

Im November wird Viktor Cernický mit seiner hoch intelligenten Performance PLI überraschen. Der tschechische Choreograf und Tänzer stellt in diesem spielerischen Solo die Konventionen der Performance auf den Kopf. Und alles, was es dafür braucht sind einzig und allein 22 Konferenzstühle.

Das Tanzjahr 2022 kommt im Dezember mit der Performance DRESS CODE zum Ende. Darin nimmt der belgische Choreograf Julien Carlier die Grundlagen des Breakdance genau unter die Lupe und hinterfragt die gesetzten Regeln, Codes und Formen des urbanen Tanzes.

Das neue Tanzjahr startet mit einem Stück aus unserem Nachbarland Frankreich, nämlich mit der jüngsten Arbeit des Choreografen Noé Soulier: FIRST MEMORY. In dieser spüren die Tänzer_innen der Gestik als wichtigstem Teil der zwischenmenschlichen Kommunikation nach.

Daran folgt im März mit FITRY eine ganz besonders eindrucksvolle Soloperformance. Während seine Position als Künstler zwischen Afrika und Europa durch die Pandemie radikal in Frage gestellt wurde, reflektiert der aus Burkina Faso stammende Tänzer und Choreograf Serge Aimé Coulibaly darin sein künstlerisches und gesellschaftspolitisches Engagement. 

Der Frühling gestaltet sich darauf besonders politisch. Am 17.03.23 präsentiert der brasilianische Künstler Volmir Cordeiro eine wilde Punk-Tanz-Oper, eine performative Kampfansage an patriarchale Unterdrückung und Repression. MÉTROPOLE ist ein flammendes Plädoyer gegen Konformität und Kontrolle und für die Freiheit und letztlich auch für den Tanz. Eine schrille, eine schräge choreografische Antwort auf all diejenigen Strukturen, die uns einschränken und schließlich der tänzerische Versuch aus diesen auszubrechen.

Und im April geht es weiter mit einer klaren Gesellschaftskritik: Die belgische Choreografin Lara Barsacq bringt ökofeministische Reflexionen auf die Bühne und führt dem Publikum die Dringlichkeit vor Augen über Alternativen zur Zerstörung des Ökosystems nachzudenken.

Mit TERMINAL BEACH steht gegen Ende April ein beosnders großes Highlight bevor: Moritz Ostruschnjak gilt aktuell als einer der begehrtesten deutschen Choreograf_innen, zuletzt war er mit seinem gefeierten Stück TANZANWEISUNGEN zur Tanzplattform Deutschland 2022 eingeladen. Der Choreograf hinterfragt in seiner neusten Arbeit gemeinsam mit 6 Performer_innen die Medienmaschinerie des 21. Jahrhunderts und deren Einfluss auf unsere Lebenswelten.

Seinen Abschluss findet das Gastspielprogramm im Juni mit dem Stück WEG, mit welchem Ayelen Parolin nach Freiburg zurückkehrt. Zuletzt war sie mit AUTOCTONOS II im Jahr 2018 am Theater Freiburg zu Gast. Inspiriert von der Chaostheorie beschenkt uns die argentinische Choreografin im Falle von WEG mit einem ganz besonderen Tanzabend, eine gewaltige visuelle Explosion, bei der Humor und Eleganz auf wunderbare Weise miteinander verschmelzen. 

Eine weitere wichtige Säule des Programms bleibt auch in 22/23 die Förderung und Begleitung namhafter freier Choreograf_innen bei der Entwicklung neuer Werke. Die Tanzsparte des Theater Freiburg wird als Ko-Produzent an den Stückentwicklungen der folgenden Choreograf_innen/Companies beteiligt sein: Aina Alegre, Alexander Vantournhout, Volmir Cordeiro, Calixto Neto, VOETVOLK und toaspern|moeller.

Wir freuen uns auf unvergessliche Tanzmomente und laden Sie herzlich dazu ein, diese mit uns gemeinsam zu erleben!


Herzliche Grüße

Dr. Adriana Almeida Pees
KünstlerischeLeiterinund Kuratorin

Juliane Kiss
Dramaturgie und Produktionsleitung

Madina Bierwirth
Produktionsleitung und Dramaturgieassistenz