Auf in die Wüste!

Rahmenprogramm zu Moses und Aron

In der Spielzeit 2026/27 bringen die Theater Basel und Freiburg gemeinsam eines der zentralen Musiktheaterwerke des 20. Jahrhunderts auf die Bühne: zwei Häuser, zwei Premieren, ein gemeinsames Vorhaben.

Ergänzend zu den Aufführungen von Schönbergs Oper Moses und Aron bieten beide Theater in Zusammenarbeit mit Kooperationspartnern und Institutionen aus Basel und Freiburg unter dem Titel Auf in die Wüste! ein umfangreiches Diskurs-, Begegnungs- und Rahmenprogramm an. Zu den Partner*innen zählen die Universität Basel, die Universität Freiburg, das Jüdische Museum der Schweiz, das Mizmorim Kammermusik Festival, das Internationale Literaturfestival BuchBasel, das Kommunale Kino Freiburg, das Stadtkino Basel u. v. m.

Mit Soziologin Eva Illouz und Publizist Meron Mendel (in Basel) sowie Autorin Carolin Emcke und Historikerin Miriam Rürup (in Freiburg) sprechen ausgewiesene und prominente Expert*innen darüber, was jüdische Diaspora heute hier bei uns mitten in Europa bedeutet und was Schönbergs Wüstenmetapher damit zu tun hat. Welche Verantwortung tragen wir, um jüdische Diaspora in Europa zu ermöglichen?

  • 2. Oktober 2026, 18:30 Uhr, Theater Basel, Foyer
    Mit Eva Illouz und Meron Mendel: Jewish Diaspora Today: Identity in Crisis
    In englischer Sprache mit Simultan-Übersetzung
  • 12. März 2027, 20:00 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus
    Mit Carolin Emcke und Miriam Rürup: Schönbergs Wüste: Jüdische Diaspora in Europa

Ausstellungseröffnung im Rahmen der Einführung Vor der Premiere

Sie ist mit ihrer ausgestellten Länge von neun Metern eines der beeindruckendsten Exponate im Jüdischen Museum: eine Tora-Rolle aus dem 19. Jahrhundert. Nun findet der zweite Teil dieser Rolle den Weg ins Foyer des Theater Basel. Hier wird die Moses-und-Aaron-Episode aus dem Pentateuch in ihrer ursprünglich überlieferten Form und Materialität erfahrbar – flankierend zur Oper, in der es um die Macht von Symbolen, also auch Texten geht. Bis zum 29. November kann die Tora im Foyer besichtigt werden, auch außerhalb der Vorstellungen zu den Öffnungszeiten des Foyer Public.

  • Montag, 28. September 2026, 17:30 Uhr, Theater Basel, Foyer

In Zusammenarbeit mit dem Jüdischen Museum der Schweiz

Buchpräsentation: Carolin Emcke Was zählt ein Mensch?

In Was zählt ein Mensch? leuchtet Carolin Emcke unter dem Eindruck von mehr als 20 Jahren Dialogen über den Nahostkonflikt in Israel–Palästina die toten Winkel der Empathie im hiesigen Diskurs aus.

  • 14. November 2026, 20:00 Uhr, Volkshaus Basel
    Eine Veranstaltung des Internationalen Literaturfestivals BuchBasel
  • 16. November 2026, 20:00 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus
    In der Reihe Gegenwart lesen
    Kooperation mit dem Literaturhaus Freiburg

Buchpräsentation: Natan Sznaider Vom Schreiben in finsteren Zeiten

Der Autor von Die jüdische Wunde. Leben zwischen Anpassung und Autonomie, 2024, schreibt in Donnerstags um Acht von den Gewalterfahrungen der eigenen Familie und setzt in „szenischen Erinnerungen“ der dunklen Gegenwart ein flackerndes Licht entgegen.

4. Februar 2027, 20:00 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus

Die Dramaturgen Franz-Erdmann Meyer-Herder und Benjamin Wäntig führen in Kürze in die Thematik der Oper ein und begrüßen dann Gäste aus Kultureinrichtungen, mit denen die Theater in der Konzeptions- und Entwicklungsphase im Austausch waren.

Jeweils 1 Stunde vor Vorstellungsbeginn
Dauer der Einführung ca. 45 Min

Theater Basel, Foyer Kleine Bühne
Theater Freiburg, Winterer-Foyer

Schönberg-Streichquartett-Zyklus mit dem Gringolts Quartet

Schönbergs vier Streichquartette bilden wie keine andere Werkgruppe die Entwicklung des Komponisten von der Spätromantik zur Zwölftonmusik ab. Das Zürcher Gringolts Quartet, eines der renommiertesten Schweizer Streichquartette, hat bereits auf hochgelobten Einspielungen aller Schönberg-Quartette seine beeindruckende Fähigkeit bewiesen, Schönbergs Avantgardetechniken mit seinem romantischen Klangsinn zu vereinen.

I: Quartette Nr. 2 und 3
27. November 2026, 20:00 Uhr, Theater Basel / Kleine Bühne

II: Quartett Nr. 1
6. Dezember 2026, 20:00 Uhr, Theater Basel / Kleine Bühne

III: Quartett Nr. 4
26. Januar 2027, 18:00 Uhr, Gare du Nord (im Rahmen von Mizmorim)

In Zusammenarbeit mit dem Mizmorim Kammermusik Festival Basel

 

Sinfoniekonzert mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg:
Ein Epochen-Panorama sondergleichen: Von der Spätromantik zur Zweiten Wiener Schule

Dirigent André de Ridder zeichnet im 4. Sinfoniekonzert mit dem Philharmonischen Orchester Freiburg Schönbergs Weg von der Spätromantik in die Atonalität nach und zieht mit Kompositionen von Richard Strauss und Alban Berg das musikalische Panorama noch weiter auf. Neben Schönbergs spätromantischem Werk Verklärte Nacht in der Bearbeitung für Streichorchester von 1917 erklingen die Fünf Orchesterstücke op. 16, deren Uraufführung 1909 weitestgehend für Unverständnis sorgte. Höhepunkt des Konzerts ist Alban Bergs Violinkonzert Dem Andenken eines Engels (Solo-Violine: Antje Weithaas), in dem Berg die von Schönberg entwickelte Zwölftontechnik in meisterhafter Weise mit der Tradition des Solokonzerts verbindet.

16. Februar 2027, 19:30 Uhr, Konzerthaus Freiburg

 

Jewish Chamber Orchestra: Die Stadt ohne Juden

Der Wiener Autor Hugo Bettauer schuf 1922 mit dem Roman Die Stadt ohne Juden eine bissig-unterhaltsame Satire: Was geschieht, wenn antisemitische Parolen Wirklichkeit werden und eine Gesellschaft ihre jüdischen Bürger:innen vertreibt? Aus diesem Stoff ist ein musikalischer Theaterabend (Komposition: Evgeni Orkin, Libretto: Martin Valdés-Stauber) entstanden, der Wiener Lieder und Humor mit leisen wie berührenden Momenten verbindet.

14. März 2027, 19:00 Uhr, Theater Freiburg, Kleines Haus

 

Concert & Crémant: Pierrot lunaire mit Lila Chrisp

Schönbergs Vertonung der Gedichte über den mondsüchtigen Clown Pierrot lässt erkennen, wie früh er sich mit Wegen beschäftigt hat, musiktheatrale Formen über Sprechgesang neu zu denken. Mezzosopranistin Lila Chrisp, Gewinnerin des Lotte Lenya Wettbewerbs 2026, gibt Pierrot lunaire zusammen mit Musiker:innen des Philharmonischen Orchesters Freiburg eine Stimme.

18. März 2027, 20:00 Uhr, Theater Freiburg / Winterer-Foyer

 

Freiburger Bachchor mit A Survivor from Warsaw

Schönbergs Monodram von 1947 berichtet von der mörderischen Niederschlagung des Aufstands im Warschauer Ghetto 1943. Es macht deutlich, wie sehr sich Schönbergs Perspektive auf Fragen gelingender jüdischer Diaspora seit den späten 20er Jahren verändert hatte. Der Freiburger Bachchor und das Sinfonieorchester des Jungen Ensembles Berlin unter der Leitung von Michael Riedel und Frank Markowitsch bringen dieses erschütternde Werk neben Giuseppe Verdis Messa da Requiem zur Aufführung.

13. Juni 2027, 19:00 Uhr, Konzerthaus Freiburg

Flankierend bieten die Universitäten beider Städte verschiedene akademische Lehrveranstaltungen an, die Schönbergs Theoriegebäude vertiefen und die allen Interessierten offenstehen.

In Zusammenarbeit mit der Universität Basel
und der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg

 

Ringvorlesung Falsche Götter

Leitung: Prof. Alfred Bodenheimer, Judith Beckschäfer (Uni Basel)

Wöchentlich vom 15. September bis 15. Dezember 2026, jeweils 18:00 Uhr,
Universität Basel / Kollegienhaus, Hörsaal 115

Inspiriert von der zentralen Bedeutung des Goldenen Kalbes als Ursache kollektiver Exzesse in Schönbergs Oper, verbindet die 13-teilige Ringvorlesung Beiträge aus der Theologie mit soziologischen, wirtschaftswissenschaftlichen und demokratietheoretischen Ansätzen – bis hin zu aktuellen Fragen zur künstlichen Intelligenz als Projektionsfläche quasi-religiöser Erwartungen.

 

Blockseminar Heterotopien und Kritik:
Gesellschaftliche Gegenräume von der biblischen Wüste bis heute

Leitung: Prof. Gregor Dobler (Uni Freiburg)
und Prof. Alfred Bodenheimer (Uni Basel)

Daten werden noch bekannt gegeben.

Ausgangspunkt ist Schönbergs Idee der Wunschlosigkeit der Wüste als Gegenbild zum Alltag. Das Blockseminar untersucht Gegenorte bzw. Heterotopien als reale Orte und Praktiken, die gesellschaftliche Ordnungen sichtbar machen, verschieben und kritisierbar werden lassen. Zugleich werden performative Formen wissenschaftlichen Denkens erprobt.

 

Forum Musikästhetik 2026 Bilderverbot. Schönbergs Moses und Aron

Koordination: Dr. Christoph Haffter (Uni Basel)
5. und 6. November 2026, Details werden noch bekannt gegeben.

Bei Musik handelt es sich um eine Art Bild, das kein Abbild ist, das also keine bestehenden Dinge wiedergibt. Das biblische Bilderverbot zielt auf genau diesen Unterschied: Es verbietet das Abbilden. Die Tagung mit Vorstellungsbesuch und Diskussion fragt: Kann Musik das Absolute darstellen, ohne gegen das Bilderverbot zu verstossen?

Huillets und Straubs Moses und Aron setzt sich von gängigen Opernverfilmungen ab, auch wenn sie auf den ersten Blick genau das zu sein scheint. Stattdessen überträgt das Autor:innen- Paar Schönbergs musikalische Prinzipien in kineastische Formen. Am 7. September im Anschluss Gespräch mit Medienwissenschaftsprofessorin Ute Holl, die sich in ihrem Buch Der Moses-Komplex (Zürich 2014) diesem filmischen Beitrag der Schönberg-Rezeption gewidmet hat.

Danièle Huillet / Jean-Marie Straub:
Moses und Aron, DE/AT/FR/IT 1975, 107’

7. September 2026, 18:15 Uhr, Stadtkino Basel
19. März 2027, 19:00 Uhr & 28. März 2027, 17:00 Uhr, Kommunales Kino Freiburg

In Zusammenarbeit mit dem Stadtkino Basel und dem Kommunalen Kino Freiburg