Ein klassizistischer Festsaal. Männer in schwarzen Roben, unerkannt hinter venezianischen Masken, stehen um einen Kreis junger, nackter Frauen. Ein Mann in roter Robe befiehlt ihnen niederzuknien. Die Szene aus Stanley Kubricks
Eyes Wide Shut (1999) bleibt im Gedächtnis. Sie ist der Höhepunkt einer durchstreiften Nacht, in der die Augen des Protagonisten, gespielt von Tom Cruise, weit verschlossen sind – gegenüber sexualisiertem Missbrauch. Aber waren nicht auch unsere Augen weit verschlossen? Erinnert die Figur des reichen Gastgebers der Ballnacht nicht auffällig an Jeffrey Epstein?
In
Shut Shut Shut zeigt Yana Eva Thönnes nicht den Maskenball selbst, sondern dessen Backstage – verortet in den Räumen von Jeffrey Epsteins Anwesen: Überwachungsraum, Gruppendusche, Umkleide. Tausende von Mädchen und Frauen wurden dort missbraucht.
Shut Shut Shut geht eine Recherchereise voraus, die Yana Eva Thönnes nach New York führt. Die Inszenierung öffnet den Blick auf ein System ...
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Ein klassizistischer Festsaal. Männer in schwarzen Roben, unerkannt hinter venezianischen Masken, stehen um einen Kreis junger, nackter Frauen. Ein Mann in roter Robe befiehlt ihnen niederzuknien. Die Szene aus Stanley Kubricks
Eyes Wide Shut (1999) bleibt im Gedächtnis. Sie ist der Höhepunkt einer durchstreiften Nacht, in der die Augen des Protagonisten, gespielt von Tom Cruise, weit verschlossen sind – gegenüber sexualisiertem Missbrauch. Aber waren nicht auch unsere Augen weit verschlossen? Erinnert die Figur des reichen Gastgebers der Ballnacht nicht auffällig an Jeffrey Epstein?
In
Shut Shut Shut zeigt Yana Eva Thönnes nicht den Maskenball selbst, sondern dessen Backstage – verortet in den Räumen von Jeffrey Epsteins Anwesen: Überwachungsraum, Gruppendusche, Umkleide. Tausende von Mädchen und Frauen wurden dort missbraucht.
Shut Shut Shut geht eine Recherchereise voraus, die Yana Eva Thönnes nach New York führt. Die Inszenierung öffnet den Blick auf ein System aus Handlangern, Mitwissenden und Opfern und macht sichtbar, wie Komplizenschaft, Abhängigkeiten und Schweigen produziert werden. Vor allem aber sehen wir die Mädchen: Wie sie sich vorbereiten und wozu sie angehalten werden, wie sie sich gegenseitig die Haare kämmen und ihre Wunden versorgen. Wir hören ihre Ängste und Hoffnungen auf ein besseres Leben – und davon, was Begierde abseits von Missbrauch bedeuten könnte.
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