Violetta Valéry weiß: Ihre Zeit ist geliehen. Sie ist krank, sie wird sterben. Sie greift noch mal ins volle Leben und will lieben – zum ersten und zum letzten Mal. Für Alfredo setzt sie alles auf eine Karte. Doch in seiner Welt gibt es keinen Platz für eine Frau wie sie. Bevor sie stirbt, gibt sie ihrer eigenen Geschichte den Titel und bestimmt so das Bild, das von ihr bleibt:
La traviata, die vom Weg Abgekommene.
Giuseppe Verdi hatte ein Herz für Außenseiterfiguren, denen er gleich seine drei größten Erfolge widmete, die sogenannte „trilogia popolare“: In
Rigoletto macht er einen Hofnarren zur Titelfigur, in
Il trovatore rückt er den fahrenden Sänger Manrico ins Zentrum. In seinem dritten Volkstheaterklassiker
La traviata geht er noch einen Schritt weiter und lässt sich von einer realen Frau inspirieren: der berühmten Pariser Kurtisane Marie Duplessis, die jung an Tuberkulose starb. Nach und nach machten Autoren des 19. Jahrhunderts ihr Leben zur Geschichte: ...
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Violetta Valéry weiß: Ihre Zeit ist geliehen. Sie ist krank, sie wird sterben. Sie greift noch mal ins volle Leben und will lieben – zum ersten und zum letzten Mal. Für Alfredo setzt sie alles auf eine Karte. Doch in seiner Welt gibt es keinen Platz für eine Frau wie sie. Bevor sie stirbt, gibt sie ihrer eigenen Geschichte den Titel und bestimmt so das Bild, das von ihr bleibt:
La traviata, die vom Weg Abgekommene.
Giuseppe Verdi hatte ein Herz für Außenseiterfiguren, denen er gleich seine drei größten Erfolge widmete, die sogenannte „trilogia popolare“: In
Rigoletto macht er einen Hofnarren zur Titelfigur, in
Il trovatore rückt er den fahrenden Sänger Manrico ins Zentrum. In seinem dritten Volkstheaterklassiker
La traviata geht er noch einen Schritt weiter und lässt sich von einer realen Frau inspirieren: der berühmten Pariser Kurtisane Marie Duplessis, die jung an Tuberkulose starb. Nach und nach machten Autoren des 19. Jahrhunderts ihr Leben zur Geschichte: Alexandre Dumas verarbeitete sie in seinem Roman
Die Kameliendame. Verdi löste die Geschichte noch weiter von Duplessis’ Biografie und romantisierte sie zur tragischen Ikone. Doch wer ist die Frau in
La traviata jenseits von Kitsch, Klischee und Opferromantik? Wer verbirgt sich hinter dem Bild, zu dem andere sie machten? Regisseurin Victoria Stevens geht in einem schillernd die Zeit- und Bearbeitungsebenen auffächernden Opernabend auf Spurensuche und erzählt, was die Oper über ihre Protagonistin verschweigt.
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