Eine Gesellschaft ohne Orientierung, ein Führungsanspruch ohne Mandat und ein ängstlicher Blick in eine beschleunigte Zukunft – da wird das nächstbeste mutige Einschreiten sogleich zur Wundertat erhoben. Es ist der Gralsritter Lohengrin, der zur Hilfe eilt, nachdem Elsas rechtmäßiger Anspruch auf Herrschaft von Ortrud und Telramund in Frage gestellt wurde. Eine wohlkalkulierte Lüge reicht aus, um alle Vereinbarungen zu kippen. Und niemand stellt sich Elsa zur Seite. Lohengrin tritt in die klaffende Lücke und übernimmt Verantwortung. Rückfragen zu seiner Vergangenheit sind jedoch nicht gestattet. Wer ist der Mann, dem man die politische Zukunft anvertraut? Wofür wird er gefeiert? Ist Heldenverehrung blanker Populismus? Und kann ein reibungsloses Funktionieren die Fragen nach dem Wie und Warum ersetzen?
Die Begeisterung über den Heilsbringer ist groß, weil sie Entlastung bedeutet. Als Lohengrin geht, ist die Leerstelle größer denn je zuvor. Hinterlässt die Wunder-Erscheinung zumindest eine ...
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Eine Gesellschaft ohne Orientierung, ein Führungsanspruch ohne Mandat und ein ängstlicher Blick in eine beschleunigte Zukunft – da wird das nächstbeste mutige Einschreiten sogleich zur Wundertat erhoben. Es ist der Gralsritter Lohengrin, der zur Hilfe eilt, nachdem Elsas rechtmäßiger Anspruch auf Herrschaft von Ortrud und Telramund in Frage gestellt wurde. Eine wohlkalkulierte Lüge reicht aus, um alle Vereinbarungen zu kippen. Und niemand stellt sich Elsa zur Seite. Lohengrin tritt in die klaffende Lücke und übernimmt Verantwortung. Rückfragen zu seiner Vergangenheit sind jedoch nicht gestattet. Wer ist der Mann, dem man die politische Zukunft anvertraut? Wofür wird er gefeiert? Ist Heldenverehrung blanker Populismus? Und kann ein reibungsloses Funktionieren die Fragen nach dem Wie und Warum ersetzen?
Die Begeisterung über den Heilsbringer ist groß, weil sie Entlastung bedeutet. Als Lohengrin geht, ist die Leerstelle größer denn je zuvor. Hinterlässt die Wunder-Erscheinung zumindest eine neue Erzählung, an die die Gesellschaft andocken kann? FAUST-Preis-Gewinner Dennis Krauß sucht gemeinsam mit dem Maler Norbert Bisky und Kostümbildnerin Katharina Pia Schütz nach Erzählwelten, die uns die Verführbarkeit der Massen noch einmal eindringlich vor Augen führen – bevor es vielleicht endgültig zu spät sein wird.
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