Großes Haus

Der Widerspenstigen Zähmung

Zum letzten Mal // Nach William Shakespeare, Adaption von Jan Czapliński und Ewelina Marciniak // Mit polnischen Übertiteln

Der Geschäftsmann Baptista hat zwei Töchter: die sanfte Bianca und die eigensinnige Katharina. Den zahlreichen Freiern von Bianca stellt der Vater eine Bedingung: Erst muss die ältere Tochter Katharina unter die Haube, bevor die jüngere Bianca heiraten darf. Doch Katharina denkt nicht daran, sich einem Mann zu unterwerfen. Die frustrierten Freier um Biancas Gunst engagieren deshalb Petruchio, der gegen Geld – viel Geld – bereit ist, Katharina wegzuheiraten. Und wenn sie erst mal im Stand der Ehe sind, will Petruchio die „Widerspenstige“ zähmen und sie zu seiner gefügigen Ehefrau machen. Kann, wird, darf das gelingen ...?
Die polnische Regisseurin Ewelina Marciniak spannt den Bogen vom Elisabethanischen Zeitalter zur Gegenwart und setzt dem misogynen Originaltext eine weibliche, feministische Perspektive entgegen. Was würden die beiden Schwestern heute sagen? Wie kann eine Frau in einer weiterhin von Männern dominierten Gesellschaft ihren Überzeugungen und Idealen treu bleiben? Welche Strategien stehen ihr in einer hierarchisch organisierten Berufswelt – zum Beispiel einem Theaterbetrieb – zur Verfügung, um sich selbst zu verwirklichen?

DER WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG hatte eigentlich bereits am Freitag, den 13. März 2020 Premiere – dem allerersten Tag des allerersten Lockdowns. Am Tag zuvor hatte es noch geheißen, dass die Vorstellung regulär stattfinden könne; wenige Stunden vor der Premiere wurde verfügt, dass kein Publikum zugelassen werden kann.
Nur ein paar (sehr angetane) Kritiker_innen waren zugegen. Seitdem hat Ewelina Marciniak den deutschen Theaterpreis FAUST für die beste Regie erhalten, wurde zum Berliner Theatertreffen eingeladen, hat die Salzburger Festspiele eröffnet und damit begonnen, Wagners RING zu inszenieren. Ihre alles andere als Corona-Regel-konforme Freiburger Inszenierung wird nun endlich vor Publikum gezeigt: ab 1. April 2023. Kein Witz!

Triggerwarnung
Wir weisen Sie darauf hin, dass die Inszenierung Darstellungen von psychischer, physischer und sexualisierter Gewalt enthält.


Der Geschäftsmann Baptista hat zwei Töchter: die sanfte Bianca und die eigensinnige Katharina. Den zahlreichen Freiern von Bianca stellt der Vater eine Bedingung: Erst muss die ältere Tochter Katharina unter die Haube, bevor die jüngere Bianca heiraten darf. Doch Katharina denkt nicht daran, sich einem Mann zu unterwerfen. Die frustrierten Freier um Biancas Gunst engagieren deshalb Petruchio, der gegen Geld – viel Geld – bereit ist, Katharina wegzuheiraten. Und wenn sie erst mal im Stand der Ehe sind, will Petruchio die „Widerspenstige“ zähmen und sie zu seiner gefügigen Ehefrau machen. Kann, wird, darf das gelingen ...?
Die polnische Regisseurin Ewelina Marciniak spannt den Bogen vom Elisabethanischen Zeitalter zur Gegenwart und setzt dem misogynen Originaltext eine weibliche, feministische Perspektive entgegen. Was würden die beiden Schwestern heute sagen? Wie kann eine Frau in einer weiterhin von Männern dominierten Gesellschaft ihren Überzeugungen und Idealen treu bleiben? Welche ...

Schauspiel

Mitwirkende

Regie und Bühnenbildkonzept Ewelina Marciniak // Choreografie Dominika Knapik // Bühne Grzegorz Layer // Kostüme Julia Kornacka // Musik Jan Duszynski // Licht Aleksandr Prowalinski // Dramaturgie Laura Ellersdorfer // Übersetzung Textfassung Andreas Volk // Mit Thieß Brammer (Petrucchio), Lou Friedmann (Bianca (früher)), Janna Horstmann (Katharina (früher)), Martin Hohner (Lucencio), Anja Schweitzer (Bianca (heute)), Hartmut Stanke (Baptista), Alona Szostak (Katharina (heute)) //

„Die Adaption des Autors Jan Czaplinski, die in Freiburg gespielt wird, tut das einzig Naheliegende und stellt den Plot unter strenge feministische Beobachtung.“ (Stephan Reuter, Theater heute - Ausgabe Mai 2020, 28. April 2020) Zur vollständigen Rezension geht es hier.

„Marciniak kann ihre unbestrittenen Stärken als Regisseurin dann einbringen, wenn sie Shakespeares Stück in Szene setzt. Das spielerische Miteinander der vier Frauendarstellerinnen (die junge Bianca verkörpert Laura Angelina Palacios, die junge Katharina Aleksandra Cwen) wirkt mit seinen Anleihen beim Tanz poetisch. Marciniak versteht es, das Auge zu bedienen. Grzegorz Layers flächige Bühne kombiniert Spiegelelemente mit hohen Mauern. Immer im Fokus: Ein männlicher Akt als aufreizendes Denkmal. Musik und Slapstickeinlagen wie im Stummfilm untermalen die komödiantische Brautwerbung Lucencios. Das unverschämt späte Erscheinen Petrucchios zur Hochzeit gerät zum großen Showdown eines grellen Transvestiten und hätte die Chance auf Stimmen beim ESC. Thiess Brammer gibt einen durch und durch kalten Petrucchio. Er überschreitet rücksichtslos Grenzen. Die Abrichtung seiner Braut erfolgt aus der Position absoluter Macht. Petrucchio unterwirft Katharina, weil er es kann. Den Missbrauch bebildert Marciniak auf drastische Weise.“ (Bodo Blitz, Theater der Zeit - Ausgabe Mai 2020) Zur vollständigen Rezension geht es hier.